Tipps für Angehörige, Freunde und Begleitpersonen:


Es ist unmöglich für einen Blinden sofort alles von seiner Umgebung war zu nehmen. Drängen Sie uns bitte nicht. Hektik bringt jede Orientierung durcheinander. Das wichtigste Prinzip bei allen Tätigkeiten, sei es Einkaufen, Kochen oder Haushaltsarbeiten ist: Mit Ruhe und Gelassenheit, mit Ruhe und Gelassenheit.

Auf die Frage wo ist das oder jenes werden 99 Prozent der Leute, wenn sich dieses Teil in Sichtweite befindet, mit der Hand in die Richtung zeigen uns sagen hier oder dort. Mit einer solchen Beschreibung können wir nichts anfangen. Liebe Freunde, bemühen Sie sich ein bisschen und erklären das anders. Sie werden sehen, es ist nicht nur für uns nützlich, sondern es wird auch Ihnen Spaß machen. Erinnern Sie sich an das Spiel „Schiffe versenken“. Um einen Gegenstand zu lokalisieren braucht man mindestens zwei Koordinaten. Im Spiel waren es Buchstaben und Ziffern. Im Alltag muss man andere Koordinaten aussuchen, zum Beispiel:
Wo ist das Glas? – Neben dem Teller auf 12 Uhr .
Wo ist die Milch? – Im Kühlschrank, zweites Regal von unten, rechts.
Wo sind die Schlüssel? – Im Vorraum, am Haken rechts neben der Tür.
Vergessen Sie bitte nicht: Wenn sie die Richtung nach dem Uhr-Prinzip beschreiben, ist der Ausgangspunk nicht Sie sondern die Person, für die diese Beschreibung gilt.

Sehr, sehr, sehr wichtig: Alle Gegenstände zurückstellen, woher sie genommen wurden! Wenn man etwas verlegt, wird ein sehender Mensch dieses schnell wieder finden. Ein nicht sehender wird vielleicht ganzen Tag suchen und es dennoch nicht finden. Ersparen Sie uns das, bitte. Jeder Misserfolg trifft uns mit voller Wucht und macht uns das Ausmaß unserer Beeinträchtigung deutlich. Es tut sehr weh!

Stühle, Sessel, Hocker sollten auf den gleichen Plätzen bleiben. Und wenn Sie vom Tisch gehen, schieben Sie bitte ihren Stuhl zurück zum Tisch.

Wenn Sie beim Gehen helfen:
schieben Sie uns nicht und ziehen Sie nicht an unserer Kleidung in eine bestimmte Richtung. Wir sind doch keine Eisenbahnwagons am Rangiergleis.
Einen Arm über die Schulter oder um die Taille einer hübschen fremden blinden Frau zu legen, kann eine gerechte Empörung hervorrufen und mit einer Ohrfeige enden. Die Blinden sind nicht hilflos.
Am besten bieten Sie uns einfach ihren Arm an. Danach kann man wie ein altes Ehepaar gehen, einer hängt sich bei dem anderen ein. Die Profis machen das aber anders:
Die Begleitperson geht etwas vor dem Blinden und der letztere hält sich dabei am Oberarm des Begleiters. Beim Gehen durch eine Tür oder eine enge Stelle geht der Begleiter immer voraus und hält seinen Arm, an welchen sich der Blinde hält, leicht etwas nach hinten.
Vorteile bei einer solcher Art zu gehen: Die geführte Person merkt sofort jede Änderung der Richtung und fühlt sich sicher und selbstständig. Die Begleitperson braucht nicht dauernd ihren Arm abzuwinkeln, was sehr ermüdend sein kann.

Wenn Sie mit einem blinden oder sehbeeinträchtigten Menschen gehen, achten Sie bitte auf Stufen, Randsteine oder Vertiefungen! Vor diesen kurz stehen bleiben und sagen: Stufe nach oben, oder nach unten.

Bei einer Stiege brauchen Sie keine Stufen zählen, es ist genug, wenn Sie warnen: „Jetzt kommt die letzte Stufe“.
Wenn der Blinde Angst hat, führen sie ihn zum Geländer , an welchem er sich mit einer freihen Hand halten kann.

Achten Sie bitte auf Laternen, Stangen von Verkehrszeichen oder sonstige Hindernisse die manchmal am Gehsteig platziert sind.

Einsteigen in ein Auto .
Führen Sie den Blinden zur geöffneten Autotür und sagen Sie gleich, auf welchem Platz er sitzen wird, was ihm erlaubt sich vorzustellen, wo er jetzt einsteigen wird. Legen Sie seine Hand auf Oberkante der geöffneten Tür, mit der anderen Hand sollte er zur Orientierung das Dach des Wagens berühren und dann den Sitz. Wenn er das Dach nicht findet, helfen Sie ihm dabei. Nur keine Hektik! Schieben Sie den Blinden nicht ins Auto hinein. Das wird die Sache nicht beschleunigen, eher umgekehrt. Lassen Sie den Blinden ruhig orientieren, dann klappt alles von selbst.

Im Restaurant
Elegant Platz zu nehmen ohne allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen ist nicht schwer. Wenn der Blinde Sie am Arm hält, legen Sie ihre Hand auf die Rücklehne des Sessels und sagen: Hier ist dein Sessel. Der Blinde gleitet mit seiner Hand von Ihrem Arm nach unten und findet problemlos den ihm vorgeschlagenen Platz. Andere Variante: Sie nehmen die Hand des Blinden und legen sie auf die Rücklehne des Sessels.

Wenn beim Tisch mehrere Personen sitzen, dann soll man vor jeder Frage den Namen der Person nennen an die diese Frage gerichtet ist, sonst kann der sehbeeinträchtigte Mensch nicht erkennen, wem die Frage gilt. Vergessen Sie nicht, sogar wenn seine Augen in Ihre Richtung schauen, sieht er Sie trotzdem nicht und weißt nicht, dass Sie mit ihm und nicht mit seinem Nachbarn sprechen.

Wenn Sie vom Tisch weggehen, zum Beispiel um Nachschub vom Buffet zu holen, informieren Sie den Blinden darüber. Wegen Lärm im Saal, hört er vielleicht nicht, dass Sie nicht mehr da sind und spricht weiter mit einem leeren Sessel. Das kann sehr peinlich sein. Wenn Sie zurück zum Tisch kommen, verkünden Sie das auch ganz deutlich.

Beim Essen sind Bemerkungen wie: „Dieses Stück ist zu groß, schneide noch einmal durch“, oder „Vorsichtig, der Reis wird gleich vom Teller rutschen“ zulässig, aber man muss sie sehr diskret machen, ohne die Aufmerksam der anderen auf den Blinden zu lenken.

Helfen Sie nicht nur beim Finden der Toilette, sondern auch im Toilettenraum selbst. Erklären Sie bitte wo sich alle Bestandteile wie zum Beispiel der Spülkasten oder das Toilettenpapier befinden.

Es ist ein Irrtum, dass Blinde automatisch besser hören, riechen oder tasten können. Alle diese Fähigkeiten kann man sich zwar durch mühsames Training aneignen aber es klappt nicht immer. Wenn ein Sehender bei nachlassendem Gehör durch Betrachtung der Mimik und Lippenbewegung des Sprechers sich helfen kann, so entfällt diese Unterstützung bei einem Späterblindeten und es scheint, dass er nicht nur nicht sieht sondern auch schlechter hört.
Besonders große Probleme haben viele Blinde dort wo mehrere Personen durcheinander reden.

Wenn Sie einem Blinden etwas sagen oder anbieten wollen nennen Sie ihn beim Namen. Wenn sein Name Ihnen nicht bekannt ist, berühren Sie den Blinden leicht an der Hand oder an der Schulter.

Selbstverständlich ist es sinnlos einen Blinden oder Sehbeeinträchtigten mit Kopfnicken oder einer Handgeste zu begrüßen. Es wäre wesentlich produktiver und angenehmer, wenn Sie ein paar nette Worte sagen und sich dabei auch vorstellen, zum Beispiel: Guten Morgen Frau Müller! Ich bin Herr Mayer von der Apotheke.

Viele glauben, dass ein Blinder die Stimmen aller Menschen, denen er irgendwann begegnet ist, problemlos merkt und dann prompt unterscheiden kann.
Stimmt nicht. Die Sehenden können sich auch nicht immer an die Namen aller erinnern, obwohl ihnen solche Merkmale wie Gesichtszüge, Größe, Statur und Alter zur Verfügung
stehen. Ein blinder Mensch freut sich, wenn er in alles einbezogen wird und am normalen Leben teilnehmen kann.