Appell an Betroffenen

Wurden Sie auch wie ich einmal mit einem niederschmetternden Diagnose- Blindheit konfrontiert? Dann sind diese Aufzeichnungen für Sie.
Nach der Feststellung der Diagnose, geht das Leben nicht zu Ende, sondern beginnt einfach ein neues Leben. Es wird anders sein, aber nicht weniger interessanter, spannender und glücklicher. Um das zu begreifen, benötigte ich viele Jahre. Zuerst versuchte ich die Tatsache, dass ich langsam, aber stetig erblinde, mit aller Gewalt zu ignorieren und den alten Lebensstil und –weise beizubehalten. Mit einem eisernen Griff klammerte ich mich an die Angewohnheiten und Arbeitsfertigkeiten der gesammelten Jahre sehenden Lebens. Es passierten ständig irgendwelche Irrtümer und peinliche Zwischenfälle, weil ich mich noch immer auf meine Augen verließ, sie funktionierten aber nicht mehr. Von absoluter Aussichtlosigkeit heulte ich nur und fiel von einer Depression in die andere. Doch die Lösung aller Probleme lag an der Oberfläche und war sehr simpel- - sich selbst als Blinde zu akzeptieren und sich neue Fertigkeiten und Fähigkeiten anzueignen. Aber irgendwo im Unterbewusstsein lauerte ein festverankertes Bildnis von einem blinden Menschen – eine dunklere, unordentliche Gestalt mit dem weißen Stock, hilflos und mitleiderregend. Fürchterlich! Ich und diese Hilflosigkeit! Die Antwort war einfach: wenn diese Gestalt dir nicht gefällt, sei anders. Jetzt versuche ich es zu tun und glaube nicht ohne Erfolg!
Ich bin nicht die einzige. Viele andere gingen, gehen und werden noch lange gehen diesen Weg von einer Aussichtslosigkeit zur Hoffnung und dann zur Zufriedenheit. Kommen Sie mit!

Jeder geht seinen eigenen Leidensweg, aber essen wollen alle.
Unsere Beeinträchtigung ist kein Grund nicht selbst zu kochen.
Es ist egal ob Sie früher selbst gekocht haben oder nicht. Waren Sie früher eine Hausfrau und leidenschaftliche Köchin oder ein schwerbeschäftigter Mann, der maximal nur eine Tasse löslichen Kaffee machen konnte. Jetzt nach dem Verlust des Sehvermögens fühlt sich jeder Hilf- und Nutzlos und das Selbstwertgefühl baumelt irgendwo unter dem Nullpunkt. Lernen Sie blind zu kochen. Das ist eine tolle Beschäftigung, die in Ihrem neuen Leben viel Abwechslung und Freude bringt und von der Seite Ihrer Verwandten, Bekannten und Freunden viel Bewunderung.
Alles, was ich hier beschreibe, wurde mir bei Rehabilitationsmaßnahmen beigebracht oder von mir selbst und meinen Freunden nach vielen Versuchen herausgefunden und stellt auf keinen Fall die ultimativen, endgültigen Kenntnisse oder Regel dar. Jemand macht es vielleicht anders und besser. Ich will nur meine eigene Erfahrungen vermitteln und hoffe, dass sie jemandem die bitteren Tränen der Verzweiflung wegen des Nicht-Könnens ersparen. Die Beschreibungen sind sehr detailliert und sind in erster Linie für Anfänger bestimmt.
Über Ihre Rückmeldungen würde ich mich freuen: blindkochen@aon.at
Natalja Hackl

 
 

Appell an Angehörige

Liebe Angehörige, Freunde, Bekannte!
Bitte bemuttern sie uns nicht so sehr. Manchmal erstickt man regelrecht von der erdrückenden und sinnlosen Fürsorge. Man verliert dadurch die Selbstachtung. Keine Frage, wir brauchen ihre Hilfe, aber helfen Sie uns selbstständig zu werden und zu bleiben. Wir gewinnen dadurch unsere Würde und sie werden nicht einen hilflosen, mitleiderregenden Behinderten neben sich haben, sondern einen fröhlichen, selbstbewussten und eigenständigen Menschen, natürlich mit ein paar Einschränkungen, Aber wer ist schon perfekt?
Helfen Sie, uns auf die neue Gegebenheit anzupassen. Unterstützen Sie uns wenn wir etwas Neues lernen oder anfangen wollen. Haben Sie Geduld, obwohl es für Sie manchmal leichter und schneller zu erledigen wäre, als zu schauen, wie ein sehbeeinträchtigter Mensch das macht. Anstatt alles selbst auszuführen, helfen Sie uns besser die verschiedenen Hilfsmittel zu beschaffen und lehren uns mit diesen umzugehen. Diese bringen sehr viel Erleichterung und Komfort in den Alltag
Es ist natürlich für Sie auch nicht leicht. Aber zusammen können wir die Situation meistern.